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Luise Pusch, eine der Mütter der feministischen Linguistik in Deutschland, feiert diese Woche ihren siebzigsten Geburtstag.

Da sie die Schöpferin des generischen Femininums ist – sie hat in dem Aufsatz „Totale Femininisierung – Überlegungen zum umfassenden Femininum“ 1988 sowohl die Idee als auch den Begriff erfunden – wollen wir mitfeiern und sie mit einer Neuauflage unserer #InWoche ehren.

In Blogs, sozialen Netzen und auch in unserer Offline-Kommunikation werden wir die ganze Woche lang überall dort, wo manche Sprecherinnen des Deutschen für gemischtgeschlechtliche Gruppen oder abstrakte Kategorien von Menschen die männliche Form benutzen und behaupten, die Frauen seien dabei „mitgemeint“, die weibliche Form benutzen und die Männer grübeln lassen, wann und wo sie dabei wohl mitgemeint sind.

Statt „Hamburger liefern sich Kissenschlacht in Gefahrenzone“ schreiben wir also „Hamburgerinnen liefern sich Kissenschlacht in Gefahrenzone“ und statt „Steigender Strompreis belastet Hartz-IV-Empfänger“ eben „Steigender Strompreis belastet Hartz-IV-Empfängerinnen“. Dort, wo es eindeutig nur um Männer geht, verwenden wir natürlich das Maskulinum, werden also von einem „Fußballer“ reden, der sich als schwul outet oder von einem „Priester“, der sich zu seiner Tochter bekennt. Und dort, wo es eindeutig nur um Frauen geht, kommt das Femininum zum Einsatz, wir sprechen also von einer „Ministerin“, die eine gleichberechtigte Elternzeit-Regelung vorschlägt oder von einer „Kanzlerin“, die ihre Ministerin sogleich zurückpfeift.

Das Hashtag #InWoche soll uns dabei helfen, uns gegenseitig zu finden und andere auf die Aktion (und die gedankenlose Verwendung des generischen Maskulinums) aufmerksam zu machen.

Wer sich mit Luise Puschs Werk beschäftigen will, der seien zum Einstieg die im Suhrkamp-Verlag erschienenen Sammelbände Das Deutsche als Männersprache und Alle Menschen werden Schwestern wärmstens empfohlen.

Auch auf ihrem Blog Laut & Luise befasst sich sich mit sprachlichen Ungleichheiten in der Behandlung von Männern und Frauen. Speziell zum generischen Femininum hat sie sich vor einigen Monaten in zwei Beiträgen hier und hier geäußert.

Die erste Woche des generischen Femininum ist ein Jahr her und manchmal könnte mensch denken, es hat sich etwas verändert.
Ein Spiegelartikel vom 04.06.2013, der eine Sprachreform der Universität Leipzig beschreibt, die die Einführung des generischen Femininums umfasst,  war doch vor einem Jahr eher noch undenkbar.

“Das ist ein Novum in Deutschland: Nach 600 Jahren Männerdominanz schwenkt die Uni Leipzig radikal um und setzt nur noch auf weibliche Bezeichnungen: Der Titel “Professorin” gilt künftig auch für Männer. “Jetzt läuft das mal andersrum”, freut sich eine Befürworterin im Hochschulmagazin “duz”. 

Wie es dazu kam? Bestimmt ein Komplott von Quotenfrauen in irgendeinem Hochschulgremium. Oder die zickige Gleichstellungsbeauftragte hat sich mit Erpressung oder was auch immer durchgesetzt. Oder nicht? Der Spiegel weiß es besser:

“Dass es in Leipzig überhaupt so weit kam, war aber wohl eher Zufall, weniger Folge eines strategischen Plans der 20 Frauen im erweiterten Senat. Bei der Diskussion um die Novelle der Grundordnung störten sich einige der 77 Senatsmitglieder an der Schrägstrich-Variante. Diese hemme die Lesbarkeit, warfen vor allem die Juristen ein.

Weil er die zeitraubende Diskussion im Gremium leid war, machte der Physikprofessor Dr. Josef Käs den Vorschlag, ausschließlich die weibliche Form einzusetzen. “Das war eine spontane Entscheidung ohne politische Ziele”, sagt er. Zur Überraschung des Gleichstellungsbeauftragten der Uni Leipzig, Georg Teichert, stimmte das Gremium für das sogenannte generische Femininum.”

Also wie jetzt, ein männlicher Physikprofessor hat das vorgeschlagen? Und ein männlicher Gleichstellungsbeauftragter war überrascht davon? Wenn das mal nicht das eine oder andere Vorurteil ankratzt… Jedenfalls ist es erfreulich, dass die Argumente immerhin die gleichen sind, wie die, mit denen der generische Maskulinum meistens verteidigt wird: bessere Lesbarkeit, das andere Geschlecht ist halt einfach mit gemeint.

Die Erkenntnis für uns: Veränderung ist möglich :-). Das ist toll und wir freuen uns auf mehr!

Die ersten Leute werden schon ungeduldig und warten auf das Fazit zur #InWoche – und hier ist es.
Die #InWoche lief auf Twitter ziemlich gut an. Viele Leute haben sich beteiligt und Tweets im generischen Femininum geschrieben. Das passierte meistens ohne den Hashtag, sondern ganz alltäglich. Ein paar Blogs und Zeitungen verbreiteten die Aktion – ihr könnt die Artikel unter “Presse” finden. Vielen Dank an dieser Stelle an alle, die Werbung gemacht haben und die Aktion über Twitter hinaus verbreitet haben.

Die ersten Rufe nach Verlängerung :-) Natürlich dürft ihr alle weitermachen, wenn ihr möchtet.

Viele hat die #InWoche zum Nachdenken angeregt – und das war der Sinn der Sache!

Besonders freut uns das natürlich bei Menschen, die vorher selbst nicht damit gerechnet haben, dass die Woche des generischen Femininums bei ihnen etwas verändern könnte.

Und wie lief es auf dem Bundesparteitag der Piratinnen? Da wurde die Woche des generischen Femininums weitestgehend vergessen – zumindest von vielen der Sprecherinnen am Mikro:

Feedback wurde auch in einemPad gesammelt – könnt ihr hier nachlesen. Da gibt es natürlich auch Gegenstimmen -ähnliche findet ihr ja hier im Blog auch.

Hier eine kurze Einführung in das generische Maskulinum für alle Befürworterinnen und Gegnerinnen unserer Aktion, die gerne etwas mehr sprachwissenschaftlichen Hintergrund hätten.

Hier findet Ihr alle Arten von Kritik an der Aktion #inwoche. Kritik ist wichtig. Manchmal kann geäußerte Kritik auch sehr gut Rückschlüsse zulassen auf vorherrschende Denkmuster und zeigt damit, wie wichtig und richtig es war, eine Woche des generischen Femininum ins Leben zu rufen. Auf jeden Fall wird offenbar das Ziel erreicht, die diskriminierende Sprachpraxis des generischen Maskulinums zu offenbaren und der einen oder anderen erkennbar zu machen. Das ist nicht so einfach, denn Privilegien werden von denjenigen, die sie haben, häufig nicht wahrgenommen. Wenn sich also männliche Kommentatorinnen darüber aufregen, dass jetzt auf einmal Sexismus und Diskriminierung in die Sprache einziehen, dann hoffen wir, dass sie auch merken, dass das an allen anderen Wochen des Jahres auch schon so ist – nur anders herum.

Wie konstruktiv und auf den Punkt gebracht so eine Kritik sein kann, zeigt diese Unterhaltung auf Twitter:

Ja – genau darum geht es! Eine Aktion, die zu einer geschlechtergerechten Sprache führen soll!

Aber manche verstehen einfach die Relevanz nicht und pöbeln rum. Wie gut, dass wir selbst beurteilen, was wir relevant finden und womit wir unsere Zeit vertreiben!

Ziemlich häufig kommt der Vorwurf “das ist doch Grünen-sprech” oder “wir Piratinnen wollen doch keine Grünen werden” – in allen möglichen Varianten. Hier habt hier eine davon:

Die Argumente sind wirklich immer die gleichen, das finden nicht nur wir (und ja – das ist erschütternd):

Hier sammeln wir Tweets für Euch, die wir so richtig schön finden oder schrecklich schön oder intelligent, witzig, bemerkenswert, lächerlich oder Tweets, die aus anderen Gründen eine Blüte sind, die es wert ist, in unseren Tweetgarten aufgenommen zu werden. Für direkte Kritik an der Aktionswoche haben wir eine eigene Sammlung.

Dieser Tweetgarten lebt natürlich davon, dass Ihr uns Fundstücke zukommen laßt. Ihr wißt ja, das Internet ist groß, da kriegt frau nicht alles mit.

Aber es gibt noch krassere Wortungetüme… #kannstedirnichtausdenken sowas.

Ob wir doch eine Rubrik “besonders bescheuerte Beispiele” aufmachen müssen? Es gibt davon immer mehr. Manche Autorinnen sind sehr kreativ und fleißig im Erfinden kruder Wörter.

Da muss frau erst mal drauf kommen, dass man aus “Femininum” auch “Femininumin” machen kann.

Bei manchen Tweets kann frau nix kommentieren. Da heißt es einfach “ohne Worte”.

Die Infosocke hat solchen Spaß daran, sich dümmste Varianten an Verballhornungen einfallen zu lassen, da fragt frau sich schon, warum sie es nötig hat. Oder das Bier hat gewirkt… who knows ;-).

Manchen Twitterinnen möchte man nahelegen, mal die Tipps zur Verwendung des generischen Femininums zu lesen. Der nächste Tweet wäre eine Kandidatin dafür. “Sprachgebrauchin” – LOL. Aber schon klar, das Ziel ist, die Aktion lächerlich zu machen (wie bei den vorgenannten Beispielen auch). Lächerlich machen sich dabei allerdings die Verfasserinnen der Tweets.

Manch eine stellt sich auch seltsamere Fragen, aber das macht nichts, die #inwoche soll ja genau zum Infragestellen auch anregen. Auch wenn vielleicht nicht diese Richtung gemeint war…

Natürlich bekam die Fragestellerin schon bald eine waaaahnsinnnnig originelle Antwort. Sowas hatten wir ja noch NIE!

Frau muss auch nicht lange warten, bis der Ruf nach MÖRDERINNEN und VERGEWALTIGERINNEN laut wird. Nun ja. Die gibts auch in männlich.

Oh wie lustig, auch auf die Müllabfuhr mußte man in Tweets nicht lange warten. Aber so richtig witzig wird der Tweet erst durch den Hintergrund, den sich die Besitzerin des Twitteraccounts da zugelegt hat. Vielsagend, jedenfalls.

Der Verfasserin des Müll-Tweets sei vielleicht die Lektüre eines Spiegel Artikels empfohlen, aus dem ersichtlich ist, dass es tatsächlich Barrieren gegen Frauen in der Müllabfuhr gibt und dass erst die neue Chefin der Berliner Müllabfuhr über Quoten dafür sorgte, dass jetzt endlich Frauen auch Chancen in der Abfallbeseitigung haben. Die Jobs sind nämlich mit Familie sehr kompatibel, besser bezahlt und auch nicht schwerer zu ertragen als ein Pflegejob (so die Erklärung, die mir eine Altenpflegerin gab, die gern bei der BSR arbeiten wollte aber nicht konnte).

Es ist schon erschreckend, wie wenig Leuten offenbar klar ist, dass wir das ganze Jahr über Woche des generischen Maskulinums haben…

Natürlich wird auch vor Beleidigungen und Fäkalsprache nicht zurückgeschreckt…

Und manche disqualifizieren sich einfach selbst – vielen Dank für die überaus kluge Antwort :-)

Auch vor der Bundesregierung machen die Teilnehmerinnen der #InWoche nicht halt ;-)

Einige Tweets stellen sehr interessante Fragen…, warum zum Beispiel bedeuten Zimmermann und Zimmerfrau so ganz und gar unterschiedliche Sachen? Hier könnte man in allen beiden Fällen nicht einfach “-mann” durch “-frau” ersetzen und damit z.B. ein Zimmerfrau beschreiben, die gerade einen Dachstuhl zusammenhämmert oder einen Zimmermann, der sich im Hotel die Betten neu bezieht.

Allen, die sich zu sehr aufregen, sei folgender Rat von Anatol Stefanowitsch ans Herz gelegt:

Aber es gibt auch jede Menge schöner Beispiele, wie die #inWoche in der Praxis gelebt wird. Da lacht das Herz von Freundinnen der geschlechtergerechten Sprache.

Vielen Dank auch dafür:

Vielleicht nur eine Koinzidenz, aber die Antwort des Chaos Computer Club auf eine bescheuert sexistische Anfrage ist einfach göttlich und paßt zur #inWoche wie die Faust aufs Auge. Das fand auch Detlef Borchers. Damit das Klicken einfacher geht: Hier habt Ihr den Link zum Brief des CCC.

Das Herz ging uns auch immer auf, wenn wir auf Twitterinnen trafen, die ihre Twitternamen anläßlich der #inwoche geändert haben. Hier ein paar schöne Beispiele für Euch und Danke an alle, die mitmachen!

Alltag im deutschen Sprachgebrauch ist der generische Maskulinum. Damit kennen wir uns alle prima aus.
In der Woche vom 19.-25.11.2012 gilt jedoch für alle, die Wert auf eine geschlechtergerechte Sprache legen, eine temporäre Umstellung auf den generischen Femininum – Warum könnt Ihr auch auf unserer About Seite lesen.

Den meisten von uns fehlt dazu die Übung, auf Twitter gibts dazu schon die ersten Fragen. Wir werden versuchen, alle auch hier zu beantworten.

Es gibt auch schon die ersten Stilblüten, die offensichtlich weniger ernst gemeint sind aber irgendwie auch zum Diskurs gehören. Für die haben wir eine extra Sammlung angelegt – sie finden sich in unserem Tweetgarten (schickt uns die schönsten!).

Hier die versprochenen Tipps für Euch – auch diese werden ständig ergänzt werden, wir lernen ja alle durch die Praxis.

Grammatikalisch richtige Wörter verwenden

Das ist eigentlich ganz einfach. Wörter, die ein eigenes Femininum haben, eignen sich super. Welche, die gequält werden, in dem ein unnatürliches -in angehängt wird, machen keinen Sinn sondern das Anliegen lächerlich. Wenn es um Sachen geht (Beispiel Salzstreuer), dann bleiben die so, wie sie sind. Auch eine tropfende Wasserhenne ist NICHT gemeint mit generischem Femininum. Wenn es um Menschen geht, dann empfielt sich eine andere Wortwahl. Also Mensch nicht durch Menschin ersetzen sondern durch das neutrale “die Leute” oder eine spezifischere Bezeichnung, bei der es normale weibliche Formen gibt wie etwa “Touristinnen”, “Bürgerinnen”, “Wählerinnen”, “Zuschauerinnen”, “Leserinnnen”, je nach Kontext… – you got it. Besonders bescheuert ist es, an eine bereits weibliche Form ein -in ranzuhängen. Ja, das kam vor.

Kurzfassung:

  • das geht: Bürger -> Bürgerin, Leser -> Leserin, Blogger -> Bloggerin, Gärtner -> Gärtnerin,
  • das geht nicht: Salzstreuerin, Menschin, Grünin, Mitgliedin, Fräuleinin, e-Zigarettin

Kann “man” ohne “man” auskommen?

Ja, wir können das! Jede benutzt es dauernd – das Wörtchen “man”, “man” macht dies und jenes, “man” findet die #inwoche cool oder blöd. Aber “man” ist ein ziemlich eindeutiges Maskulinum, warum muß hier wohl nicht erklärt werden (Hint: hier wurde gerade ein “man” sprachlich vermieden). In der Woche des generischen Femininum sollten wir mal ohne dieses kleine Mann-Wort auskommen. Das ist gar nicht so schwer.

  • Ersetzen durch “jede” – Bsp. Statt “man kauft doch heute Bahntickets online” -> “Heute kauft doch jede Bahntickets online”
  • Ersetzen durch “frau” – Bsp. Statt “wie kommt man jetzt am schnellsten zum Bahnhof?” -> “Wie kommt frau jetzt am schnellsten zum Bahnhof?”
  • Ersetzen durch “wir” – Bsp. Statt “wie kann man diese Krise überstehen?” -> “Wie können wir diese Krise überstehen?”
  • Ersetzen durch Satzumbau – Bsp. Statt “Man kann ja auch Fahrradfahren” -> “Fahrradfahren geht natürlich auch”

Was ist mit Schneemann? Amtmann? Räuberhauptmann?

  • Die meisten Fälle sind ja sehr einfach. “-mann” nehmen und durch “-frau” ersetzen.
  • Schneemann -> Schneefrau
  • Amtmann -> Amtfrau (Amtmännin klingt bescheuert, auch wenn das in Österreich verwendet wird und sogar auf Visitenkarten steht)
  • Prügelknabe -> Prügelmädchen
  • Räuberhauptmann -> Räuberhauptfrau

Danke an Metaphora42 für diesen Hinweis auf Twitter!

Wenn wir nicht die Woche des generischen Femininum hätten, wären auch die weiteren Tipps von Metaphora hilfreich. Hebt sie Euch einfach auf für nächste Woche!

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